Reviews - Ranma 1/2
Die Geschichte Ranma ½ erschien bereits 1987 in der Septemberausgabe des Mangamagazins „Shounen Sunday“ und verhalf der damals 30jährigen Mangazeichnerin Rumiko Takahashi zu ihrem Durchbruch. Übrigens ist ihr Name lediglich ein Pseudonyn: „Ru-Mi-Ko“ verkörpert ihr Lebensmotto, welches da soviel heißt wie: “Schönes Kind bleiben“. Dies macht sich auch in (vielen) ihrer Geschichten bemerkbar, denn oft werden Themen wie Action, Comedy und Romantik zusammen in ihren Storys kombiniert, und erhalten durch den charakteristisch-minimalistischen Zeichenstil, welcher oft extrem niedliche oder abgefahrene Charaktere entstehen lässt, eine ganz spezielle Atmosphäre, die den Leser unweigerlich in ihren Bann zieht. Aufgrund des großen Erfolges von Ranma ½ entstand ebenfalls eine Anime-Serie, welche im März 1989 erstmals in Japan ausgestrahlt wurde und es auf ganze sieben Staffeln – 161 Episoden – schaffte. Nach dem Ende der Serie erschienen noch 3 Movies und 11 OVAs, allerdings sind diese hinsichtlich der Darstellung aufwendiger und dadurch natürlich qualitativ besser. Dennoch ruhte sich Frau Takahashi nicht auf ihren Lorbeeren aus: Bereits 1988 erschien ihr Werk „One pound Gospel“, welches auch hierzulande als Manga erhältlich ist.
Ranma ½ ist zwar schon 18 Jahre alt aber das bedeutet nicht, dass die Geschichte langweilig oder veraltet wäre. Eher im Gegenteil: Sie ist so komplex und umfassend, dass man sie gar nicht zusammenfassen kann. Daher beschränke ich mich in meiner Beschreibung lediglich auf den Beginn der Geschichte (ich will euch ja schließlich nicht die Spannung nehmen).
Die Haupt- und Titelfigur der Geschichte ist eigentlich ein beneidenswerter junger Mann: Er ist gutaussehend, stark und soll einmal „Tendos Kampfschule für Schlägereien aller Art“ weiterführen. Letzteres ist also auch der Grund, warum sich der Kampfsportler Genma Saotome mit seinem Sohn Ranma auf eine harte Trainingsreise begibt, die die beiden schließlich auch nach China führt. Wer jetzt aber eine knallharte Kampfsport-Action Story erwartet, irrt sich – zumindest im Punkto der Darstellung, denn Ranma1/2 hat noch viel mehr zu bieten als “nur“ spannende Kämpfe: Tatsächlich handelt es sich um einen Genre-Mix, der Romantik und Comedy, verpackt in eine Kampfsportthematik und ein komplexes Beziehungssystem der Charaktere, behandelt. Doch zurück zur Trainingsreise des Vater-Sohn-Gespanns der Familie Saotome. Als die beiden nichtsahnend an den “Verwunschenen Quellen“ (auch “Jusenkyo-Quellen“ genannt) trainieren, stößt Ranma seinen Vater in das kühle Nass, welches sich als "Shonmaoniichuan", die „Quelle des ertrunkenen Panda“ herausstellt. Als Genma dann plötzlich als riesiger Panda aus der Quelle springt und Ranma mit einer Karatetechnik angreift, ist dieser so geschockt, dass er ohne sich zu wehren in der “Nyanniichuan“ landet. Nur wobei könnte es sich hier wohl handeln? Hmmm…Ich meine der Titel lautet ja “Ranma ½“! Vielleicht Schizophrenie? Nein, übersetzt bedeutet der Name der Quelle “Quelle des ertrunkenen Mädchens“! Tja und nun ist Ranma dazu verdammt, sich immer in ein (hübsches) Mädchen zu verwandeln, wenn er in Kontakt mit kaltem Wasser kommt. Glücklicherweise kommt es bei Kontakt mit kochend heißem Wasser zu einer Rückverwandlung – bei allen Opfern der Quellen (von denen es übrigens sehr viele gibt).
Als ob das alles nicht schon schwer genug für den armen Ranma wäre, hat sein Vater schon wieder etwas organisiert, was bei seinem Sohn auf wenig Gegenliebe stößt: Die beiden sollen zurück nach Japan, zur besagten Kampfschule, wo Genmas alter Freund Soun Tendo – und dessen drei Töchter – wohnen. Aber der Gipfel ist dann noch, das Genma Soun versprochen hatte, Ranma mit einer seiner Töchter zu verloben. Dieser würde aber lieber in China bleiben, um nach einem Heilmittel zu suchen, welches den Jusenkyo-Fluch bricht. Eine der schönen Eigenarten dieser Geschichte ist wohl die absolute Kompromissbereitschaft der Personen…WAS? Kompromissbereitschaft?! Als sich Ranma-Chan (weibliche Form) seinem tierischen Vater wiedersetzte, schlug er seinen Sohn (seine Tochter?) K.O. und schliff ihn nach Japan – Toleranz muss eben sein! In Japan angekommen, lernen die Tendos ihre Besucher erst einmal kennen und erfahren durch Genma von ihrer Geschichte. Alle außer Akane, der 16jährigen Tochter Souns. Diese betritt in der Annahme, dass Ranma (also das Mädchen) sich nicht mehr im Badezimmer aufhält, gerade in dem Moment vollkommen entkleidet den Raum, als Ranma aus der Badewanne steigt – männlich und…männlich eben. Auf einen entgeisterten Blickaustausch der beiden folgte eine kurze, liebevolle Konversation (Stichwort “Spanner!!!“), die den Grundstein für eine vielversprechende Beziehung (in welcher Hinsicht wohl?) legte. Die beiden älteren Schwestern Akanes, die fürsorgliche 19jährige Kasumi und die leicht sarkastische 17jährige Nabiki, erkoren kurzerhand ihre männerhassende Schwester aus, sich mit Ranma zu verloben. Allerdings konnten sie ihre Entscheidung durchaus rechtfertigen, schließlich ist ihr zukünftiger ja zur Hälfte ein Mädchen!
Die Abneigung Akanes gegen Männer wird am folgenden Schultag geklärt, Ranma trifft ständig auf neu Konkurrenten und auch die Liebesbeziehungen werden immer verstickter und, und, und…Letztlich will ich ja die Spannung nicht vorweg nehmen, Ranma ½ ist schlichtweg DAS Lernmaterial für alle Autoren anspruchsvoller Comedy und macht absolut süchtig.


